Thrillerkolumne

Thriller ohne Leserstrahlen ist wie Spenser ohne Boston, Behr ohne Indianapolis, Reacher ohne Army, Rain ohne Judo, Parker ohne Plan, Bolitar ohne Win, Forsythe ohne Whisky, McGee ohne Florida, Hank ohne Baseball, Duffy ohne Beemer...

LEVIEN, City of the Sun (4/5) LESEN

Behrenstark

In einer Reihe mit den wirklichen Badboys des Genres steht der von David Levien erdachte Frank Behr. Reacher, Parker, Spenser, Rain – Behr. Nachdem sein Sohn bei einem schrecklichen Unfall ums Leben kam und seine einst vielversprechende Karriere bei der Polizeitruppe von Indianapolis jäh endete, wurde Behr Privatdetektiv. Als von inneren Qualen gezeichneter Mann ist es nun an ihm, einem Elternpaar dabei zu helfen, das mysteriöse Verschwinden ihres Sohns aufzuklären.
Paul und Carol Gabriel durchleben die Torturen der Ungewissheit. Als ihr Sohn Jamie morgens von seiner Tour als Zeitungsjunge nicht zurückkam, war dies das Ende allen Frohsinns für die beiden Eltern. Durch einen Zufall auf dem Polizeirevier, wo sie den zuständigen Captain zur Rede stellten, erfährt der Vater, Paul, von der Existenz des Privatermittlers Frank Behr. Als sich die beiden begegnen, ist es Paul, der Frank dazu bringt, in den Ermittlungen zu Jamies Verschwinden auch eine Heilung für seine eigenen Schmerzen zu finden. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach einer ultimativen Antwort auf die quälende Frage nach dem Verbleib seines Kindes.

Indianapolis
Die Geschichte ist aus mehreren Perspektiven erzählt, erstreckt sich über einen übersichtlichen Zeitraum, ist hier und dort nicht ganz glaubwürdig und lebt durchweg von der Dualität lähmender Unsicherheit und explosiver Action. Immer wieder ziehen die zähen Zweifel der Eltern die Stimmung in die Gefrierzone, von wo aus sie durch die Brutalität und die Entschlossenheit von Behr schockerhitzt wird und aller Schlacke entledigt. Badass Behr ist ein Mann aus Granit, der mit Paul das erste Mal so etwas wie einen Partner findet. Seine Ermittlungsarbeit ist detailliert, inspiriert und schließlich von Erfolgen gekrönt, die der Polizei verwehrt geblieben waren. Die Story endet wie in so vielen Fällen südlich der Grenze der USA, in einer scheinbar animalischeren Welt, aus der nur entrinnt, wer erst fragt und dann aber schnell aufhört Fragen zu stellen, um mit dem Schießen zu beginnen. (Siehe zum Beispiel das Finale bei Cinnamon Skin, oder die Zwischenepisode bei Dead I Well May Be)

Eine intensive Hintergrundgeschichte, saubere Recherchen, recht starke Gegenspieler und ein taffer Protagonist, dem hier aber in Sachen Intensität von den Eltern des vermissten Jungen das Wasser abgegraben wird. Wenn es etwas bedurft hätte, dann eines noch weiter entwickelten Antagonisten

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Fazit: LESEN

Plot: Wieder mal nach Mexiko (3/5)
Action: Hart wie ein Nagel, verbissen wie ein portugiesischer Kampfhund (5/5)
Spannung: Wann explodiert Behr? (4/5)
Charaktere: Riggi, Rooster, Jamie, Victor (3/5)
Humor: Weil das Thema nichts dazu hergibt: unfair aber hart. (2/5)

PASCH: 4/5

David Levien, City of the Sun (2008)


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