Thrillerkolumne

Thriller ohne Leserstrahlen ist wie Spenser ohne Boston, Behr ohne Indianapolis, Reacher ohne Army, Rain ohne Judo, Parker ohne Plan, Bolitar ohne Win, Forsythe ohne Whisky, McGee ohne Florida, Hank ohne Baseball, Duffy ohne Beemer...

LEONARD, Riding the Rap (3/5)

Entspannter Elmore

Elmore Leonards Riding the Rap erzählt eine Episode aus dem abwechslungsreichen Leben des Deputy US Marshal Raylan Givens. Der ist mal wieder auf der Suche nach Harry Arno. Dem hatte er schon einmal beigestanden (Pronto). Der ehemalige Buchmacher Harry treibt momentan Wettgelder ein, um sich zur Ruhe zu setzen. Einer seiner Schuldner hat jedoch nicht vor, seine Schulden zu bezahlen. Ihm stehen ein ehemaliger Arabian Bahamian, ein schießlustiger Puerto Ricaner und ein Medium bei. Was könnte ein Autor wie Leonard aus dieser Konstellation machen?
Bobby Deogracias – besagter Puerto Ricaner – wird beim Geldeintreiben von Chip umgedreht. Der Alt-Kiffer Chip überzeugt Bobby, dass es lohnender wäre, gemeinsam Harry um sein Geld zu bringen anstatt sich mit der eingetriebenen Schuld von Chip zufrieden zu geben. Denn Harry soll mittlerweile drei Millionen Dollar angehäuft haben. Mit Louis Lewis, der für Chip arbeitet und den Bobby noch aus dem Gefängnis kennt, entführt Chip Harry. Zu dritt isolieren sie ihn in Chips Haus, wo sie ihn dazu bringen wollen, ihnen sein Geld zu überlassen. Währenddessen macht sich Raylan auf die Suche nach Harry.

Not Florida

In der fesselndsten Szene des Romans stellt Raylan Bobby zur Rede. Obwohl dieser seine Waffe in der Hand hält – Raylan hat seine noch im Holster unter seinem Mantel – wagt er es nicht, seine Pistole auf Raylan zu richten. Zu intensiv ist die Gunslinger-Attitüde des Cowboyhut tragenden Marshals, zu bedrohlich sein Wesen.

Leonards Raylan Givens ist bemerkenswert. Er macht Fehler, lässt sich austricksen. Er ist eitel und doch bescheiden. Er ist ein Sieger und kennt doch das Leben als Besiegter. Als alter Kohlenkumpel aus Kentucky sorgt er nun in Florida für Gerechtigkeit. Wie alle Romane von Leonard hat auch Riding the Rap seine eigene Geschwindigkeit. Raylans Vorgehen ist das eines Kohlengräbers. Beharrlich gräbt er sich durch die Wand aus Lügen, die sich ihm stellt. Was an Raylans Wesen naiv erscheint, ist lediglich Ausdruck einer tiefen Selbstsicherheit und des Glaubens, dass er am Ende entweder gewinnt oder dass es egal ist. Mr. Cool.

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Plot: 3/5
Action: 2/5
Spannung: 2/5
Charaktere: 5/5
Humor: 3/5

PASCH: 3/5

Elmore Leonard, Riding the Rap (1995)


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