Thrillerkolumne

Thriller ohne Leserstrahlen ist wie Spenser ohne Boston, Behr ohne Indianapolis, Reacher ohne Army, Rain ohne Judo, Parker ohne Plan, Bolitar ohne Win, Forsythe ohne Whisky, McGee ohne Florida, Hank ohne Baseball, Duffy ohne Beemer...

Nebenjob Vampirjäger (3/5)

Seth Grahame-Smith, Abraham Lincoln: Vampire Hunter (2011)

"Abraham Lincoln: Vampire Hunter" ist eine fiktive Ergänzung zur Biographie Abraham Lincolns. Die Geschichte entwickelt sich entlang des Lebenslaufs des 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Was viele nicht wussten: Abraham Lincoln war Zeit seines Lebens Vampirjäger.

Wie er dazu wurde und was für Methoden er anwendete (die berühmte Axt des "rail splitters" etwa), verknüpft Autor Seth Grahame-Smith interessant und an vielen Stellen innovativ mit der gesicherten Überlieferung des Lebens von "Old Abe". Die Geschichte lebt von der guten Idee, die dem Roman zugrundeliegt. Das Gerüst der beschriebenen Geschehnisse ist unterhaltend und an vielen Stellen erscheint die Erklärung, dass an der einen oder anderen Stelle Vampire ins Räderwerk der amerikanischen Geschichte eingegriffen haben, recht plausibel. Leider gelingt es Grahame-Smith nicht, dieses Gerüst mit der Spannung und Liebe zu füllen, die seiner Grundidee innewohnt. Wie auch bei "Pride and Prejudice and Zombies" fasziniert zwar der Gedanke, dass gruselige und geheime Gestalten im Hintergrund Einfluss ausübten. Leider ist die Story jedoch an vielen Stellen zu langatmig und zu beschreibend geraten. Den größten Aha-Effekt hatte ich eigentlich schon beim Lesen der Buchbeschreibung. Was zwischen den Buchdeckeln passiert, kommt da leider nicht mehr ran.

Klar: Auf jedes beliebige Ereignis in Lincolns Leben lässt sich die Erklärung mit den Vampiren im Hintergrund nicht anwenden. Das heißt aber nicht, dass jedes Ereignis, auf das sich die Erklärung anwenden lässt, unbedingt verwertet werden muss. Ein paar größere Sprünge, ein paar längere Pausen hätten der Dramaturgie gut getan. Dadurch hätten zum Beispiel weniger Auseinandersetzungen mit Vampiren geschildert werden können diese aber dann dafür aber umso intensiver. Die wunderbare Grundidee wäre dadurch nicht verloren gegangen.

Was bleibt ist ein schönes Crossover für alle, die sich für die Geschichte der Vereinigten Staaten interessieren, die Vampirgeschichten etwas abgewinnen können und die einen Faible für gut konstruierte Verschwörungstheorien haben. Was dem nächsten Roman von Grahame-Smith (Washington der Werwolf? Franklin und die Aliens?) gerne noch hinzugefügt werden darf, sind bessere Dialoge, spannendere Actionszenen und ein etwas weniger linearer Verlauf der Erzählung.

Die Verfilmung des Buchs kommt noch in diesem Jahr in die Kinos. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Spielberg-Produktion, in der Liam Neeson Lincoln mimen wird.

  • Plot: Verschwörung (3/5)
  • Action: Vampire (3/5)
  • Spannung: vage (2/5)
  • Charaktere: Vampire (4/5)
  • Humor: Vitzig (3/5)
  • PASCH: (3/5)

P.S.: Die besten Romane mit Vampiren sind und bleiben damit die Bücher der Joe Pitt-Reihe von Charlie Huston. Der ist eh der beste.
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Seth Grahame-Smith, Abraham Lincoln: Vampire Hunter
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Grand Central Publishing (15. März 2011)
ISBN-10: 1455500224