Thrillerkolumne

Thriller ohne Leserstrahlen ist wie Spenser ohne Boston, Behr ohne Indianapolis, Reacher ohne Army, Rain ohne Judo, Parker ohne Plan, Bolitar ohne Win, Forsythe ohne Whisky, McGee ohne Florida, Hank ohne Baseball, Duffy ohne Beemer...

Bombe (4/5)

Dmitry Glukhovsky, Metro 2033 (2008)

Der postapokalyptische Roman "Metro 2033" folgt dem jungen Mann Artyom bei dessen Odyssee durch das Moskauer U-Bahn-System. Die Welt, die Autor Dmitry Glukhovsky beschreibt, ist im wahrsten Sinne des Wortes in sich geschlossen. Die Abenteuer Artyoms erinnerten mich an vielen Stellen an Bilbos Reise zum Einsamen Berg.

Besonders gelungen sind die vielen Anspielungen an Mythen, Religionen und Ideologien der Menschen. Im Verlauf der Geschichte erkennt man gut, dass alle Konstruktionen sind, die den Menschen in einer feindlichen und/oder nicht zu verstehenden Welt Halt bieten sollen. Die fantastischen Geschichten, die sich die U-Bahnstations-Bewohner an ihren Lagerfeuern erzählen und die dunklen Momente in den angsteinflößenden Tunneln gehörten für mich zu den besten Stellen des Romans.

Glukhovskys System besteht im größten Teil des Buches darin, Ereignisse so zu umschreiben, dass die Leserin selbst wählen kann, ob sie die fantastische oder die profane stets mitgelieferte Erklärung glauben möchte. Ein gigantischer Ur-Wurm, dessen Tunnel die Menschen nun bewohnen oder doch nur eine Tunnelbohrmaschine? Wer weiß.

Recht banal (aber trotzdem nicht zu flach) dargestellt waren auch die verschiedenen politischen und Wirtschafts-Systeme der Metro-Welt: Kommunisten, Faschisten, Kapitalisten sind alle mit vom Start. Und auch die Gelehrtenrepublik als Ziel der Heldenreise Artyoms fehlt nicht.

Was mir nicht ganz gefiel, waren die später immer explizierter werdenden mystisch-fantastischen Elemente. Wo am Anfang gerade die Andeutungen und Weglassungen die Spannung und den Lesespaß erzeugten, kann man im letzten Viertel des Buches dann die Hindernisse Artyoms kaum noch als Hirngespinste oder Metaphern abtun. Der Bruch, den der Roman dadurch erhält, war aber wohl notwendig, um das gelungene Finale und dessen Implikationen besser wirken zu lassen. Vier Sterne - Volle Leseempfehlung!
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    Dmitry Glukhovsky, Metro 2033
    Taschenbuch: 784 Seiten
    Verlag: Heyne Verlag (3. November 2008)
    ISBN-10: 3453532988


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