Thrillerkolumne

Thriller ohne Leserstrahlen ist wie Spenser ohne Boston, Behr ohne Indianapolis, Reacher ohne Army, Rain ohne Judo, Parker ohne Plan, Bolitar ohne Win, Forsythe ohne Whisky, McGee ohne Florida, Hank ohne Baseball, Duffy ohne Beemer...

PARKER, Valediction (3/5)

Die Leiden des alten Spenser

"Am gefährlichsten ist, wer keine Angst vor dem Tod hat. Tödlich ist, wer sterben will."
Im 11. Roman der Reihe um den Bostoner Privatdetektiv Spenser nimmt dieser Abschied von seiner geliebten Susan Silverman. Es ist die tiefste persönliche Krise, in die Parker Spenser bis dato stürzt. Trotz ihrer tiefen gegenseitigen Verbundenheit entscheidet sich Susan, eine Anstellung im fernen Kalifornien anzunehmen. Zum Glück wird es Spenser dank Schießereien, Sekten, Drogenbossen und seiner großen Klappe trotzdem nicht fad.

Nach einer berührenden Verleihung der Doktorwürde für Susan an der Eliteuni Harvard entscheidet sie sich, Spenser vorerst an der Ostküste allein zu lassen. Der stürzt in eine tiefe Krise. Noch tiefer ist die Krise nur bei der jungen Tänzerin, mit der sein Mündel Paul befreundet ist. Sie wird von religiösen Fanatikern bedrängt. Die Vereinigung, die sich selbst Bullies nennt, scheint zudem eine Deckorganisation für den organisierten Drogenhandel in Boston zu sein.

Selbst der eiskalte Hawk wird feinfühlig, als er hört, dass Susan nicht mehr da ist. Überhaupt überschattet die Distanz zwischen Spenser und Silverman die gesamte Geschichte – die für sich genommen einiges hergibt. Doch auch wenn Spenser todesmutig/ lebensmüde in die Schlacht gegen die Gangster hinter der Deckorganisation zieht, scheint das persönliche Leid des großmäuligen Detektivs aus Massachusetts der Story ins Genom gebacken. Selbst als es zwischen Spenser und seiner Bekanntschaft von der anderen Straßenseite zu funken scheint, denkt er nur daran, wie er Susan davon erzählen kann.

Valediction ist die gekonnt erzählte und vielschichtig aufgebaute Geschichte eines Mannes, der nichts mehr zu verlieren hat. Parker gelingt es, einen spannenden Thriller zu einer bewegenden Liebesgeschichte zu machen, deren Protagonisten einander nur auf den ersten vier Seiten sehen und bei dem es um die kriminellen Machenschaften schmieriger Bau- und Drogenunternehmer zu gehen scheint.

Plot: 4/5
Action: 3/5
Spannung: 4/5
Charaktere: 5/5
Humor: 3/5

PASCH: 3/5

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Robert B. Parker, Valediction (1984)