Thrillerkolumne

Thriller ohne Leserstrahlen ist wie Spenser ohne Boston, Behr ohne Indianapolis, Reacher ohne Army, Rain ohne Judo, Parker ohne Plan, Bolitar ohne Win, Forsythe ohne Whisky, McGee ohne Florida, Hank ohne Baseball, Duffy ohne Beemer...

Brown, Inferno (3/5)

Du hast die Pest!

Robert Langdon trifft Dante Alighieri. Im vierten Abenteuer des schwimmsportverliebten Kunsthistorikers aus Harvard geht es um Dante, Florenz, Venedig, die Pest, die Hölle und Überbevölkerung. Das Ziel der „bildungsbürgerlichen Sehnsucht“ (Die Zeit, Nr. 22, 23.05.2013) ist dieses Mal die Renaissance. Wenn sogar Denis Scheck lobende Worte für Brown findet, muss an Langdons Reise in die Symbolwelt des Poeten aus Florenz ja wirklich was dran sein, oder?

PLOT: „Inferno“ unterscheidet sich von seinem Vorgänger „The Lost Symbol“. Es geht nicht mehr so gedrängt um versteckte Botschaften und Symbole. Im Mittelpunkt steht ein terroristischer Anschlag, der in einer Schnitzeljagd auf Speed verhindert werden muss. In Italien und später in einem anderen Land (muss ja nicht alles verraten werden) geht es munter hin und her und hoch und runter. Es gibt ein paar Wendungen im Geschehen und Brown führt einen das ein oder andere Mal auf eine falsche Fährte. (4/5)

ACTION: Wem die Action aus den vorherigen Teilen gefallen hat, bekommt hier eine gleichbleibende Fortsetzung ohne Steigerung. Es sieht aus, als wäre die Plateauphase in dieser Hinsicht erreicht: Die Verfolgungsjagden waren definitiv schon dramatischer. Handwerklich ist wie gewohnt alles gut durchgestaltet. Großes Kopfschütteln bleibt aus. (4/5)

SPANNUNG: „Inferno“ liest sich schnell weg. Wenn Denis Scheck sogar die Spannung lobt: Wie sollte man da widersprechen? Ganz einfach. Indem man nur zwei von fünf möglichen Spannungspunkten auf der PASCH-Skala vergibt. Zwar wollte ich immer weiterlesen, Angst, dass gleich etwas Unvorhergesehenes geschieht, hatte ich aber nicht. Nach den Spannungsbögen muss genauso gesucht werden wie nach den versteckten Hinweisen in der Toskana. Das spannendste an dem Roman ist die Frage, wie schlecht die Fortsetzung konstruiert werden muss, um die Folgen des „Infernos“ einzubauen. Aber auch da wird Brown bestimmt was einfallen. (2/5)

CHARAKTERE: Bertrand Zobrist. 1 Punkt dafür. Aber gute Schurken sind trotzdem Mangelware. Zumal der eine sich als tot und die anderen als gut herausstellen. Mit Langdon kann man sich trotzdem gut identifizieren. Er ist schlau, sportlich, smart und das erste Mal in seinem Leben auch gut angezogen. (3/5)

HUMOR: Die große Schwachstelle bei Brown. Zwar gibt Langdon den ein oder anderen zynischen Kommentar ab. Trotzdem muss sich niemand ein Kissen auf den Schoß legen, um seine Schenkel vor den eigenen Schlägen zu schützen. Es ist natürlich auch kein lustiges Thema, so eine Seuche. (1/5)

FAZIT: Mit 14 von 25 möglichen Punkten landet „Inferno“ leider nur im guten Mittelfeld der PASCH-Skala. Auf den ersten Blick ist das verwunderlich. Die fast fünfhundert Seiten sind schnell gelesen. Die Geschichte mit den Transhumanisten ist interessant. Über Dante, Dogen und Kirchen lässt sich einiges lernen. Was haben wir hier? Einen handwerklich gut gemachten Thriller, der wieder nicht halten konnte was „The Da Vinci Code“ der Welt für seine Nachfolger versprochen hat. Dan Simmons kann etwas, was sein Namensvetter nicht kann. Er kann hochkomplizierte Literatur mit spannenden Thrillern verbinden. Dan Brown bleibt am Ende auf halber Strecke stehen. Er schreckt davor zurück, über Wikipedia-Informationen hinauszugehen und seine Leser wirklich in den Bann eines großartigen Literaten zu ziehen. 3 von 5 Punkten.

  • Plot: (4/5)
  • Action: (4/5)
  • Spannung: (2/5)
  • Charaktere: (3/5)
  • Humor: (1/5)
  • PASCH: (3/5)

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Dan Brown, Inferno.
480 Seiten
ISBN: 0385537859
Verlag: Doubleday; Auflage: 1. Auflage, US (14. Mai 2013
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