Thrillerkolumne

Thriller ohne Leserstrahlen ist wie Spenser ohne Boston, Behr ohne Indianapolis, Reacher ohne Army, Rain ohne Judo, Parker ohne Plan, Bolitar ohne Win, Forsythe ohne Whisky, McGee ohne Florida, Hank ohne Baseball, Duffy ohne Beemer...

Muskulöse Memoiren

Schwarzenegger, Total Recall (2012)

Ein Mann kauft sich eine Boeing 747. Allein daraus könnte man ein Buch machen. In der Autobiographie Arnold Schwarzeneggers ist dies kaum mehr als eine Randnotiz.

Ja, Arnold hat ein Buch geschrieben. Es ist übrigens sein sechstes. In seiner totalen Erinnerung (Total Recall) berichtet der steirische Stier von seiner atemberaubenden Erfolgsstory. Seine Erzählung folgt der Logik des Bodybuilders. Jedes Kapitel eine neue Pose. Jede Pose ist perfekt einstudiert. Immer höher klettert der Junge aus den Bergen. Immer neue Ziele, immer neue Erfolge. Jede Sprosse hätte doch die letzte sein sollen, denkt man beim Lesen. Das muss es doch jetzt gewesen sein. Du hast es nach München geschafft, jetzt nach Amerika! Du bist Filmstar, Millionär und Mr. Universum, hast einen Sport neu definiert, handelst mit Immobilien, heiratest eine Kennedy, hast eine Restaurantkette, wirst Gouverneur von Kalifornien und kaufst dir einen Jumbo-Jet.

Was Arnold anpackt, gelingt ihm. Nach der Hälfte des mehr als 600 Seiten starken Wälzers ist das Muster deutlich erkennbar. Schwarzenegger setzt sich ein völlig übertriebenes Ziel, wird nicht ernst genommen und erreicht am Ende alles, was er sich vornahm. Freunde und Feinde macht er sich dabei. Wichtig erscheint ihm das zunächst nicht. Die Beerdigung des Bruders verpasst er und die des Vaters. Erst mit den Kindern hält etwas wie Familiensinn Einzug in die Programmierung des Terminators. Auch zu seinem außerehelichen Sohn, den er gemeinsam mit einer Angestellten vor 14 Jahren bekam, steht er. Anabolika verschweigt er nicht und auch seine vielen Tricks und Kniffe, mit denen er teils hinterhältig seine Gegner im Bodybuilding und im Film besiegte, beschreibt er.

Ach, Arnie...

Was für ein Bild bleibt nach der Lektüre von Schwarzenegger? Viel Neues decken die Memoiren nicht auf. Sie versammeln und ordnen die Infos über den Terminator. Keine neuen Gerüchte finden sich und keine schmutzige Wäsche gewaschen. Schwarzeneggers Co-Autor Peter Petre ist kein Ungeübter. Er stand schon Alan Greenspan zur Seite, als der seine Autobiographie verfasste. General Schwarzkopf vertraute ihm ebenso wie IBM-Chef Watson und Ex-Verteidigungsminister McNamara ([...]) Das zeigt, wie die Autobiographie einzuordnen ist. Denn eine klassische Promi-Biographie ist das nicht und auch kein Selbsthilfeleitfaden. Schwarzeneggers Buch ist eine politische Biographie. Hier schreibt jemand, der noch immer Ziele hat. Dutzende Male beschreibt Schwarzenegger, wie sehr ihn unerreichbare Ziele reizen und wie gerne er etwas zum ersten Mal macht. Doch welches politische Ziel kann jemand haben, der schon Gouverneur war und nicht Senator werden möchte? Schwarzenegger im Weißen Haus? Unmöglich! Laut Verfassung können nur Amerikaner Präsident werden, die in den USA geworden wurden. Da hilft kein Trick und kein Kniff.

Arnold Schwarzenegger wurde übrigens am 30. Juli 1947 in einem Teil Österreichs geboren, der zu diesem Zeitpunkt von den USA besetzt war... 
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Arnold Schwarzenegger (with Peter Petre), Total Recall. My Unbelievably True Life Story.
Taschenbuch: 646 Seiten 
Verlag: Simon and Schuster (2012) 
ISBN-10:978-1-4516-9705-6

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