Thrillerkolumne

Thriller ohne Leserstrahlen ist wie Spenser ohne Boston, Behr ohne Indianapolis, Reacher ohne Army, Rain ohne Judo, Parker ohne Plan, Bolitar ohne Win, Forsythe ohne Whisky, McGee ohne Florida, Hank ohne Baseball, Duffy ohne Beemer...

Winslow, Isle of Joy (4/5)

Reif für die Insel

Bevor Don Winslow in entlegene Sphären schriftstellerischen Könnens aufstieg, schrieb er handwerlich saubere und ausgefeilte Thriller. Dazu gehört Isle auf Joy.

Walter Withers, ehemaliger Agent der CIA, wohnt wieder in New York City, seiner Stadt. Als Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma wird Withers Ende 1958 vom Strudel aus Mord, Alkohol, FBI, Sex, Jazz, Heroin, Beatnik-Kultur, Lügen und noch mehr Alkohol beinahe in den Hudson gespült.

 
Als Leibwächter der Senatoren-Gattin Maddy Kenneally a.k.a. Jackie Kennedy gerät er in eine kennedyeske (Jack und Bobby sind unter merkwürdig schamhaft verfremdeten Namen genauso dabei wie Jack Kerouac) Spionage-Affäre. Withers Erlebnisse und Begegnungen wandern auf dem Grat, der Kalter-Krieg-Klischees und gute Thriller trennt. Nicht immer ist Winslow dabei trittfest. Das führt zu Momenten, in denen man nicht sicher sein kann, ob Isle of Joy Hommage, Karikatur oder etwas drittes sein möchte (dass Winslow Hommage im Repertoire hat, bewies er später mit Satori).

Eine Passage ist dem Hobbyzeithistoriker besonders gelungen. Das größte Spiel, das je im American Football gespielt wurde, glorifiziert Winslow in einer packenden Passage. Nur, um es am Ende der Schilderungen brutal zu entzaubern.

Der gute Schluss und die gelungene Auflösung runden einen spannenden Spionagethriller ab. Dieser Prä-Einwortkapitel-Winslow kann klassische Krimis.

  • Plot: 5/5 (vollendet verdreht)
  • Action: 4/5  (wegrennen, wegducken)
  • Spannung: 3/5
  • Charaktere: 4/5 (Withers, Dietz, McGuire)
  • Humor: 3/5 (subtile Sticheleien)
  • PASCH: 4/5

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Don Winslow, Isle of Joy
Arrow 1996 [1996]

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