Thrillerkolumne

Thriller ohne Leserstrahlen ist wie Spenser ohne Boston, Behr ohne Indianapolis, Reacher ohne Army, Rain ohne Judo, Parker ohne Plan, Bolitar ohne Win, Forsythe ohne Whisky, McGee ohne Florida, Hank ohne Baseball, Duffy ohne Beemer...

MCKINTY, In the Morning I'll Be Gone (5/5) LESEN

Sean wieder Ärger um Duffy

- Eigentlich passiert hier viel zu viel. Adrian McKintys Reihe um den nord-irischen Ermittler Sean Duffy wird im dritten Teil fortgesetzt durch einen smarten, nahtlosen Plot, der durch das terrorisierte Nord-Irland der 80er mäandert. Die großen Krimiklassiker werden nicht nur zitiert. Mit „In the Morning I’ll Be Gone“ kommt gleich noch ein neuer dazu. Wie das?

The Day I Met the Man
Duffy steht vor einem sogenannten „locked-room mystery“. Er trifft auf der Reise zu seinen Bekannten aus der Vergangenheit den jungen Michael Forsythe (hier zu "Dead I Well May Be") McKinty bringt einen Unfall unter, der ihm als Teenager selbst passierte (so McKinty bei Twitter). Duffy wird vom MI5 angeheuert, erfährt endlich mehr über die mysteriöse Frau, die ihm in „I Hear the Sirens in the Street“ hilfreiche Hinweise gegeben hat. Er jagt einem IRA-Mann nach, der ihn einst nicht als Mitstreiter akzeptieren wollte und er wird wie immer von Alkohol, Frauen und den „troubles“ durchgeschüttelt. Aber der Reihe nach...

McKinty stellt seinen Roman in die lange Liste der sogenannten „locked-room mysteries“, die seit dem 19. Jahrhundert in den Regalen echter Krimiliebhaber stehen. Innerhalb dieses Subgenres geht es darum, einen Todesfall zu erklären, bei dem alle Indizien auf einen Unfall, Selbstmord oder eine natürliche Ursache hindeuten. Wie konnte der Mörder fliehen, wenn der Raum von innen verschlossen war? Wo ist die Tatwaffe, wo der Täter? Vom dressierten Affen bis zur Pistolenkugel aus Eis gibt es vielfache Variationen – einige spannende vor allem von Agatha Christie (z. B. And Then There Were None). Duffy muss sich dem Rätsel stellen, um so den Tod der Tochter einer einflussreichen Republikanerin aufzuklären. Diese wiederum hat ihm als Belohnung versprochen, den Aufenthaltsort und die Pläne ihres Schwiegersohns Dermontt zu verraten…



Dieser Schwiegersohn ist ein alter Bekannter, dem Duffy in seiner Jugend hinterherlief. Doch Dermontt verschmähte damals die Hilfe Duffys, was zu einer von vielen Facetten in dessen kaleidoskopischer Problemkonstellation wurde. Das Finale ist furios, die Verknüpfung mit historischen Ereignissen gelungen. Duffy ist der richtige Mann am richtigen Ort. Und wenn es um den richtigen Ort geht, kennt sich McKinty aus. In diesem Interview hier fährt er mit einem alten 3er-BMW durch die Straßen Berlins: YouTube-Link (Andere Terroristen, anderes Land - aber trotzdem passt die phasenweise Bezeichnung "Baader-Meinhof-Wagen" perfekt zur Stimmung und zum historischen Umfeld von McKintys Duffy-Reihe.)

Duffy Drei sollten alle lesen, die klassische Krimiliteraturrätsel gerne mal in einer modernen hard boiled-Umgebung erleben wollen. Ein optimaler Lesespaß.

Adrian McKinty, In the Morning I’ll Be Gone, 2014(Sean Duffy #3).