Thrillerkolumne

Thriller ohne Leserstrahlen ist wie Spenser ohne Boston, Behr ohne Indianapolis, Reacher ohne Army, Rain ohne Judo, Parker ohne Plan, Bolitar ohne Win, Forsythe ohne Whisky, McGee ohne Florida, Hank ohne Baseball, Duffy ohne Beemer...

Child, A Wanted Man (5/5)

Per Anhalter durch die Wand

Jedes Jahr gibt es den Valentinstag. Es gibt die Geburtstage der Kinder, der Eltern und Geschwister und der Ehefrau. Dann sind da noch Weihnachten und Ostern. Und es gibt Reacher-Tag. Heute ist Reacher-Tag.

Wenn im Wald die Bäume ihre Farbe wechseln, verfärben sich auch etliche Augenpartien in Reichweite des Riesen Reachers. Und wenn jedes Jahr im Herbst die Blätter fallen, sinken auch jene zu Boden, die sich mit ihm anlegen. So ein Leben als Naturgewalt ist nicht ohne. Selbst der Bärige sehnt sich nach Nähe, die er in Virginia zu finden hofft. Deshalb will er eigentlich nur schnell Nebraska und Iowa und all die anderen Great Plains-Staaten hinter sich lassen, um nach Chicago zu kommen. Von dort will er den Weg nach Virginia antreten. Weil er kein Auto hat und mitten im Nirgendwo steht, entschließt sich Reacher, per Anhalter voranzukommen. Doofe Idee. Denn wieder mal wurde jemand ermordet. Und Reacher stolpert halbwegs ungewollt mitten in die große Show. Wie immer sind die Spuren rar, die Ermittlerin heiß und die Zahlen- und Wörterrätsel kniffelig.


Wer stellt sich dem Mann mit der inneren Atomuhr in den Weg? Diesmal haben wir es anscheinend wieder mal mit ausgebuffteren Gegnern und einer größeren Verschwörung zu tun. Längere Zeit war ja der Mangel an Schurken eines der großen Mankos von Childs liebsten Kind. Nachdem wir wissen, dass Reacher physisch niemand gewachsen ist und seit wir wissen, dass auch Willenskraft, gute Pläne, Überzahl, automatische Waffen, eine halbe Armee, Bunker, Stacheldraht, Mauern, hundert Jahre Lebenserfahrung, Bomben, Messer und Gift kein probates Mittel im Kampf gegen einen Reacher darstellen, half nur noch eins: Grips. Dieses Mal haben die Jungs, mit denen der Ex-MP es zu tun bekommt richtig was im Kopf. Oder doch nicht? Und wer ist überhaupt sein Gegner? Egal, oder?


Man lernt wieder ein paar neue Details (z.B. wer Reachers Lieblingspräsident ist) kennen und verzweifelt mal wieder am stoischen Giganten und seinem Desinteresse an allem, was nicht nach selbstlosem Kampf für eine gerechte Sache aussieht. Oder nach einer schönen Schlägerei gegen eine fünffache Übermacht.


Dieser Reacher-Roman hat so gut wie alles, was die anderen Romane auch so gut gemacht haben. Doch wo andere (besonders 61 Hours und Worth Dying For) ein wenig hinkten, verbindet A Wanted Man mal wieder alle Stärken der Reihe. Guter Anfang, viel Action, gutes Ende. Dass die Romane wirklich nie langweilig werden und dass man es kaum schafft, eine Lesepause einzulegen, ist alles, was man über Lee Childs Romane zu wissen braucht.



  • Plot: Solide aufgebaut (4/5)
  • Action: Ein-Mann-Army vs. ??? (5/5)
  • Spannung: Was verbirgt sich hinter der nächsten Tür? (5/5)
  • Charaktere: McQueen and King, right? (4/5)
  • Humor: Stoa (5/5)
  • PASCH: (5/5)
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Lee Child, A Wanted Man.
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 583 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Transworld Digital (30. August 2012)
ASIN: B007UPNA6Y