Thrillerkolumne

Thriller ohne Leserstrahlen ist wie Spenser ohne Boston, Behr ohne Indianapolis, Reacher ohne Army, Rain ohne Judo, Parker ohne Plan, Bolitar ohne Win, Forsythe ohne Whisky, McGee ohne Florida, Hank ohne Baseball, Duffy ohne Beemer...

Das Schnarchen des Kaisers (2/5)

Gisbert Haefs, Die Rache des Kaisers (2009)


Die Rache des Kaisers ist der zwölfte historische Roman von Gisbert Haefs. Dessen Werk füllt mittlerweile etliche Regalmeter und reicht von Science-Fiction über Krimis bis eben zu jenen historischen Romanen, mit denen er seit Jahren die Strandtaschen zahlloser Touristen füllt. Troja, Hannibal und Alexander setzten Maßstäbe im Genre und haben den ein oder anderen erst zum Leser historischer Wälzer bekehrt. Aber heißt das, dass Haefs sich selbst nicht mehr an diese Maßstäbe halten muss? Es scheint so. Denn die Geschichte um Jakob Spengler ist ein lieb- und lebloser historischer Roman.

Spenglers Odyssee durch das Europa des frühen 16. Jahrhunderts beginnt damit, dass seine Familie und sein Dorf abgeschlachtet werden. Er beobachtet das Gemetzel, prägt sich die Gesichter der Mörder ein, wird von einem Araber adoptiert, lernt kämpfen und die Welt kennen, wird reich, wird arm, ist bei einigen der wichtigsten historischen Ereignisse seiner Zeit dabei, findet alle Mörder, verliert ein paar Freunde und Frauen, findet aber neue, rächt sich an allen und ist am Ende fein raus. Wie's halt so läuft. Schema F lässt grüßen.

Statt wie gewohnt mit Hintergründen und seiner eigenen Logik (in seinem Roman Troja waren es z.B. die wirtschaftlichen Gründe, die zum Krieg führten und nicht die schöne Helena) zu glänzen, greift Haefs hier nur an der Oberfläche die großen Tendenzen der Zeit auf. Die Verteidigung Wiens gegen die Türken, die Bauernkriege, Martin Luthers Wirken und das der Fugger und Welser sind die Eckpunkte der "Handlung". Als Spengler kurz vor Schluss noch einmal eben nach Amerika fährt, dort schnell einen der Gejagten richtet und samt Eingeborenen wieder nach Europa kommt, wird es einem eigentlich schon zu viel. Obwohl einige Kampfszenen gut gelungen sind, mangelt es doch an so wichtigen Aspekten wie Glaubwürdigkeit, Spannung, Wendungen, Perspektivwechseln. Die Rache des Kaisers ist ein historischer Roman. Aber kein guter. Haefs hat Eisenbahnschienen ausgelegt, den Zug "Jakob Spengler" draufgesetzt, den Autopiloten programmiert und per Knopfdruck den Zug abfahren lassen. In zehn Jahren wird es eine Software geben, die bessere Bücher schreibt.

  • Plot: Autopilot (2/5)
  • Action: Autsch (3/5)
  • Spannung: Augenwischerei (1/5)
  • Charaktere: Autisten (2/5)
  • Humor: Ausgenommen (0/5)
  • PASCH: (2/5)

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Gisbert Haefs, Die Rache des Kaisers (2009)
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (16. Mai 2011)
ISBN-10: 3442475430


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